Zwei Jahre Ferien?

April 29th, 2009

So lange wie bei Jules Verne wird es sicher nicht werden, aber auf seiner Website www.humboldt.edu.mx schreibt das Colegío Alemán Mexiko-Stadt zu einer Beratung in der deutschen Botschaft: “…Der zuständige Arzt hat die Maßnahmen begrüßt, die Mexico bisher unternommen hat. Es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Anlass zu panischen Reaktionen. Allerdings glaubt er nicht, dass die Welle so schnell eingedämmt werden kann.” Es sieht also so aus, als ob wir eventuell auch ab dem 6.5. nicht wieder in den direkten Schulbetrieb einsteigen können. Aus diesem Grund wurden alle LehrerInnen gebeten, Aufgaben vorzubereiten, die den Schülerinnen und Schülern im Fall der Fälle per e-Mail zugesandt werden können, damit wenigstens ein Minimum an (virtuellem) Unterricht laufen kann.

Wir waren heute mal im Stadtzentrum von D. F. Der Erstbesucher würde sicherlich sagen, dass alles wie immer sei. Aber wenn man weiß, was wochentags zwischen 16 und 18 Uhr tatsächlich los ist, dann ist die Stadt (relativ) leer. Wir waren nur 25 min bis zum Zocalo unterwegs, das ist eigentlich unfassbar. Die Leute sind doch vorsichtig und bleiben in der Mehrzahl zu Hause. Das von den europäischen Medien kolportierte Bild “menschenleer” ist aber falsch.

Hauptsache, das Bier reicht…

April 28th, 2009

Gestern Abend wurde im Fernsehen schon laut über die Einstellung des Nahverkehrs in D. F. nachgedacht. Na dann ist wirklich absolut tote Hose und die Lage muss mehr als ernst sein.
Es ist in logischer Folge auch damit zu rechnen, dass die letzten Orte für größere Menschenansammlungen, die Supermärkte, schließen müssen. Deshalb haben wir heute unsere Vorräte an absolut Lebensnotwendigem wie Brot, Milch, Limo, Tiefkühlpizza und Bier etwas aufgestockt. Wir stutzten bereits am Eingang, dass sich die sonst schier unendliche Anzahl Einkaufswagen stark gelichtet hatte. Gut, beim Bier war alles wie üblich gefüllt (das scheint bei den Mexikanern nicht als Grundnahrungsmittel zu gelten ;-) ) aber sonst gähnten uns drinnen an vielen Stellen halbleere Regale an, was eigentlich undenkbar ist. Und obwohl alle Kassen (!) geöffnet hatten, dauerte die Warterei beim Bezahlen deutlich länger als sonst. Wir scheinen also nicht die Einzigen zu sein, die sich auf einen längeren Ausnahmezustand einrichten.

Es wird nicht langweilig…

April 27th, 2009

Heute Mittag, ich saß am PC, vibrierte mein Bürostuhl… Leises Gläserklirren im Schrank… 3 Stunden später kam die Bestätigung in Form einer Anfrage aus Europa: Erdbeben. Na ja, ansonsten ist ja hier nichts los. *fg*
Viel Zeit kann man derzeit am PC mit dem Lesen der Schlagzeilen aus aller Welt verbringen. Mexiko ist in aller Munde und in allen Medien - leider nur mit Negativmeldungen, wie schon vorher bei den wenigen Nachrichten, die bis in die alte Welt kamen.

Schweinegrippe, Erdbeben, die allgemeine Sicherheitslage, schulfrei - andere Leute bezahlen Geld für Abenteuerurlaub, wir bekommen das gratis. ;-)

Weiter Zwangsferien

April 26th, 2009

Die Schule beginnt auf Grund der Schweinegrippe erst wieder am 6. Mai, nach dem langen Wochenende. Das letzte Mal soll es beim schweren Erdbeben 1985 eine allgemeine Schließung aller Schulen gegeben haben - es scheint sich tatsächlich um eine außergewöhnliche Situation zu handeln. Wir “bedauern”, dass diese Situation nicht eine Woche eher passiert ist, da waren wir noch in Europa und hätten unseren Rückflug verlegt.
Als wir gestern einkaufen waren (die Todesursache “leerer Kühlschrank” ist auch nicht besser als Schweinegrippe), waren deutlich weniger Autos und Fußgänger unterwegs. Viele Leute auf der Straße trugen einen Mundschutz. Und auch bei “Walmart” selbst war es ziemlich leer. Die Menschen nehmen also die Warnungen ernst und stellen ihr Verhalten darauf ein.

Überraschend schulfrei

April 24th, 2009

Heute schulfrei! Die Schweinegrippe ist die Ursache für den unverhofften freien Tag. Leider fällt ihr auch das intensiv und laut vorbereitete Frühlingsfest am 25.4. zum Opfer. Die Influenza scheint ganz schön um sich zu schlagen, die Zahlen über die tödlichen Ausgänge dieser Krankheit in und um D. F. schwanken beträchtlich; die offiziell genannten rund 60 scheinen eine optimistische Betrachtung zu sein.

In den Ferien gab es zwei Wochen schönstes Cabriowetter und grüne, blühende Landschaften - in Europa. Trotzdem war es kein richtiger Urlaub, da man in dieser Zeit alles nachholen musste, was in den vorherigen Monaten liegengeblieben war, inkl. Steuererklärung.
Die Rückkehr in die neue Welt ist ein mittlerer Kulturschock, vor allem, wenn man im Hellen ankommt und vom Flughafen nach Hause fährt. Es ist nicht zu übersehen, dass man nicht nur den Kontinent gewechselt hat. Und auch in der Schule selbst wird einem - gerade nach einem Besuch an der alten Schule zu Hause - klar, das es eine andere Welt ist und eigentlich sehr, sehr viel Arbeit in Veränderungen investiert werden müsste, um dem Anspruch einer deutschen Schule annähernd gerecht zu werden.

Crash und Osterferien

April 2nd, 2009

Morgen ist der letzte Schultag vor den Osterferien. Die letzten drei Wochen hatten es in sich, nicht nur in der Schule.
Vor zweieinhalb Wochen erwischte es unser Auto. Der Unfall passierte aber nicht im üblichen Chaos, wo man sagt “kann passieren”, nein, auf der leeren, geraden Straße direkt vor der Schule befanden sich 3 Autos und es war heller Tag. Als ich wegen eines entgegenkommenden Fahrzeuges beim Linksabbiegen anhalten musste, schepperte ein nagelneuer Toyota mit Frau am Steuer (Was auch sonst!) in unseren Ford hinten hinein. Die Schnepfe muss mit ihrem Handy oder dem Lippenstift beschäftigt gewesen sein, wenn sie mein Blinken und Abbremsen übersehen hat. Zum Glück war bei unserem Auto lediglich der hintere Stoßfänger etwas lädiert. Die Versicherungssache war schnell geklärt, aber die Werkstatt machte Ärger: Erst wollte man das Auto zum Wechseln der Stoßstange (die mit 6 Schrauben befestigt ist) eine Woche behalten! Da wir uns weigerten und nochmals die Versicherung bemühten, schraubte man die Zeitforderung zunächst auf drei Tage herunter, um die Sache letztendlich in anderthalb Tagen zu erledigen. Das hätte ich in der Tiefgarage in 20 min gemacht…
Endlich hatten wir es auch einmal ins legendäre Aztekenstadion geschafft - und prompt fuhr Mexiko seinen bisherigen einzigen Sieg in der WM-Qualifikation 2010 ein.
Da “nebenbei” die Klassenarbeiten des Bimesters für Zeitvertreib sorgten, kam keine Langeweile auf. Und jetzt genießen wir die freien Tage.

60%…

Februar 27th, 2009

… des Schuljahres sind geschafft, das 3. Bimester ist Geschichte. Heute gab es Zeugnisse für alle Schüler. Na ja, fast für alle: die Klassen der Secundaria - und so auch unser “Kleiner” - bekamen keine, es fehlte die Zeit zum Drucken (dauert ja auch Stunden)… Zeugnisse zum letzten Tag des Bimesters sind ja auch nicht so wichtig, sie interessieren ja weder die Kinder noch die Eltern. (Für Blitzmerker: Wer in den letzten Zeilen etwas Sarkasmus vermutet, liegt nicht ganz verkehrt.)
Etwas Positives gibt es auch: Petrus hat den Februar genutzt, um die Temperaturen - von einem kurzen Rückschlag abgesehen - peu á peu nach oben zu schrauben. Die Leute aus Europa jammern über Schnee, aber wenigstens einen Vorteil muss Mexiko ja haben.

Smoke on the water

Februar 16th, 2009

Anfrage an die mexikanische Sendestation von Radio Jerewan: “Stimmt es, dass wegen `Smoke on the water´ jetzt alle Autos in Mexiko mit Katalysatoren ausgerüstet werden?” Anwort: “Im Prinzip ja. Aber es war es kein Rauch, sondern Smog, es war nicht über dem Wasser, sondern über D. F. und… Was sind Katalysatoren?”
Jedenfalls mussten wir heute morgen wegen Smogalarm auf die hochheilige Montagszeremonie verzichten und auch in den Pausen durften die Kinder das Gebäude nicht verlassen. Aus meiner Sicht war die Luft so Sch… hm, schön wie an 300 weiteren Tagen über der Hochebene, aber wer weiß, vielleicht war einfach ein Quotenalarm fällig.

Tausche Pflaumenmus gegen Pyramiden

Januar 24th, 2009

Vor einigen Tagen traf die erste europäische Delegation (man kann auch “Besuch” sagen) bei uns ein und versorgte uns mit überlebensnotwendigen Gütern wie Mühlhäuser Pflaumenmus, Schokolade, Gummibärchen und zwei Ausgaben des “ND”. Als “Revanche” werden wir heute nach Teotihuacan fahren und uns die Sonnen- und die Mondpyramide ansehen.
In der nächsten Woche ist in der Schule volles Programm angesagt, da Elternabend für die Primaria und Elternsprechtag für die Secundaria angesetzt wurden. Als Klassenlehrer wird man beim “Elternabend” (der verdient in dieser Form diesen Namen nicht) vor vollendete Tatsachen und einen Zeitplan gestellt, der dem eigentlichen Anliegen eines Elternabends überhaupt nicht gerecht wird. Wen interessiert schon, ob der Klassenlehrer wichtige Dinge etwa zur Klassensituation zu sagen hat, Hauptsache, jeder Lehrer hat sich in jeder Klasse sehen lassen und wir haben wieder einen Abend vergeudet. Quantität statt Qualität, nicht zum ersten Mal in den letzten Monaten.

Wetter

Januar 14th, 2009

Vorgestern fielen ein paar Regentröpfchen vom Himmel - eigentlich unerhört für diese Jahreszeit! Seitdem hat sich die Sonne hinter einem Wolken- und Dunstvorhang versteckt und es ist - für hiesige Verhältnisse - kalt (max. 15 °C). Die Temperatur im Innern des Schulgebäudes nähert sich anscheinend an den Gefrierpunkt an, Pullover und Fleecejacke sind für den Unterricht wichtiger als Kreide und Tafel. Die Heizung für Gebäude muss in Mexiko erst noch erfunden werden.