Acapulco
“Acapulco” (von Ricci & Poveri, aber das musste ich nachschlagen) hieß 1984 ein Ohrwurm, der in jeder Disko hoch und runter gespielt wurde. Seitdem wusste ich, dass es am Pazifik einen Badeort dieses Namens gab, hatte Acapulco aber nie ernsthaft auf der Liste meiner Reisewünsche geparkt. Und nun waren wir trotzdem ein paar Tage dort, es liegt schließlich “gleich um die Ecke”. Die knapp 400 km verliefen sowohl hinzu als auch heimwärts entgegen aller Prognosen und aller Befürchtungen völlig staufrei (selbst die ersten bzw. letzten 20 km auf dem Periferico). Denn eigentlich war dieses lange Wochenende DAS lange Wochenende des Jahres, an dem alles an die Küsten fährt und fliegt. Schweinegrippe sei Dank
blieben die meisten Leute aber offensichtlich zu Hause und so waren die Straßen und Acapulco selbst leer. Die Zeitungen in Acapulco berichteten von 42% Auslastung der Hotels, was sicher ein schwerer Schlag für die Tourismusbranche war. Wir fanden es ganz nett, es war überall (beim Frühstück, am Pool, am Strand, in den Gaststätten, auf der Küstenstraße) ausreichend Platz. Und laut Hörensagen sollen am 1.5. - dem Hauptanreisetag - sogar Autos aus D.F. und dem Edo. de Mexico mit Steinen beworfen worden sein, damit die Anreisenden nicht die Schweinegrippe nach Acapulco schleppen. Als ob man mit einem Stein die Grippeviren erschlagen kann… *ggg*
Die Gegend ist sehr schön, manche Ecken erinnern an die Cote d´Azur. Die schönsten Stellen sind natürlich mit den Anwesen der mehr oder weniger Schönen und Reichen zugebaut (Sylvester Stallone hat einen besonders schönen Blick auf die Bucht von Acapulco). Man muss aber auch nicht allzu weit fahren, um das Mexiko der normalen Leute zu sehen.
Die Wellen sind etwas besonderes: An unserem Strand “schlichen” sich selbst große Wasserberge unauffällig Richtung Land und offenbarten erst unmittelbar vorm Strand ihre Mächtigkeit. Da gab es manchmal Probleme mit der Standfestigkeit.
Kurz vor der Heimfahrt erreichte uns dann die Nachricht, dass die Kindergarten, Primar- und Sekundarstufe am 11.5. wieder mit dem Unterricht beginnen. Die Schülerinnen und Schüler der Abiturstufe dürfen bereits am 7.5. wieder beginnen. Das liegt aber nicht daran, dass die “Großen” resistenter gegen Viren sind, sondern dass die Abiturstufe der UNAM untersteht, während die Klassen 1 bis 10 SEP-hörig sind. Und anscheinend legt jede Behörde selbst fest, wann die Grippewelle vorbei ist. Aber das versteht man maximal, wenn man Mexiko einige Zeit live erlebt hat.
P.S. Alles Gute zum Geburtstag, Carlos!